Der Normalweg über den Spallagrat, eine abwechslungsreiche kombinierte Hochtour über Fels und Eis, 4 intensive aber auch wunderschöne Tage.

Als in meiner Sektion die Besteigung des Piz Bernina angeboten wurde hatte ich sofort die Anmeldung draußen. Schließlich wollte ich unbedingt auf dem gleichen Gipfel stehen den mein Vater viele Jahre zuvor ebenfalls bestiegen hatte. Und es wurde tatsächlich wahr.

Tag 1

Montag früh fuhren wir ins Engadin, da an den Wochenenden die Hütten viel zu voll waren. Von Morteratsch (1.896m) aus wanderten wir zu unserem ersten Übernachtungsziel, der Bovalhütte. Diese liegt nur 500m höher auf 2.494m. Schon bald sahen wir den Morteratsch Gletscher und dahinter die Welt aus Schnee und Eis mit Piz Palü, den Bellavista Terrassen und unserem Ziel in 2 Tagen, dem Piz Bernina.

Tag 2

Da heute mit dem Übergang zur Marco e Rosa Hütte ein sehr langer Tag vor uns lag starteten wir bereits um 5 Uhr. Zuerst stiegen wir hinab zum Morteratsch Gletscher. Dort zogen wir die Steigeisen an, auf Blankeis läuft es sich einfach besser und sicherer damit. Am Seil zu gehen war hier noch nicht notwendig. Hatten wir zuerst einen sehr aperen Gletscher verließen wir diesen bald und stiegen im spaltenfreien Firn Richtung Fortezzagrat. Dort angekommen holten wir dann das Seil heraus. Am Fortezzagrat hieß es klettern, und teilweise legten wir auch ein Geländerseil um alle Teilnehmer sicher über den Grat zu bringen. Dieser war nicht komplett schneefrei, teilweise lag hier noch einiges an Neuschnee im Fels. Daher blieben die Steigeisen an den Schuhen.



Mittlerweile war ein wunderschöner Tag angebrochen. Das gleißende Sonnenlicht ließ alles strahlen und funkeln. Da in der Zwischenzeit auch einige Spalten aufgetaucht waren blieben wir am Seil und gingen weiter über die Bellavista Terrassen.

Gegen 15 Uhr erreichten wir dann endlich unser Übernachtungsziel, die Marco e Rosa Hütte auf 3.600m. 10 Stunden, nachmittags im weicher werdenden Schnee recht anstrengend, lagen hinter uns. Wir bezogen unser Lager und füllten zuerst unseren Flüssigkeitshaushalt auf bevor es ans Abendessen ging.

Tag 3

An unserem Gipfeltag starteten wir nach einem typisch spärlichen italienischen Frühstück etwas später gegen 6 Uhr. Schließlich lagen erst einmal nur 400 HM bis zum Gipfel vor uns.

Die Gipfel wurden von der Morgensonne in rötliches Licht getaucht. Nach einem Firnhang folgten die ersten Felsstufen, unschwierig. Die zweite Stufe war etwas anspruchsvoller aber gut zu sichern. Daher blieben wir im Firn und ignorierten den steilen Firn daneben.

Auf einem schon etwas schmaleren Firngrat gingen wir bis zum Vorgipfel, dem Spallagipfel (4.020m) bevor wir dann das letzte Stück über den Spallagrat bis zum Hauptgipfel vor uns hatten. Dieser war sehr schmal und ziemlich ausgesetzt. Links und rechts des Grats ging es weit und steil nach unten. Absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier unabdingbar. Die letzten Meter waren wieder felsig, und um kurz nach 8 Uhr standen wir am Gipfel des Piz Bernina. Für mich war das ein besonderer Moment. Ich stand an der gleichen Stelle wie mein Vater vor vielen Jahren. Tränen vor Glück schossen mir in die Augen, ein unglaublich bewegender und emotionaler Moment. Selbst jetzt, einige Jahre später, beim Schreiben des Artikels wurden die Augen feucht.

Da recht viel los war blieben wir nur kurz und machten uns wieder an den Abstieg. Dieser ging wesentlich schneller vonstatten. Es waren Bohrhaken zum Abseilen vorhanden, und an einem steilen Firnhang sorgte ein gelegtes Fixseil für einen zügigen Abstieg. So standen wir bald wieder an der Marco e Rosa Hütte.

Nach einer kurzen Trinkpause packten wir die restlichen Sachen in den Rucksack und machten uns auf den Rückweg zur Bovalhütte, auf dem gleichen Weg den wir am Vortag bergauf genommen hatten.

irgendwann hörten wir es donnern, am Horizont sahen wir dunkle Gewitterwolken aufziehen. Wir beschleunigten unsere Schritte, da wir uns nicht sicher waren wie schnell die Front näher kam. Unterhalb des Fortezzagrats rannten wir fast die Firnhänge hinab ins Gletscherbecken. Kurz vor 19 Uhr erreichten wir dann endlich Die Bovalhütte.

Zum Glück blieben wir vom Gewitter verschont. 13 Stunden lagen hinter uns, lang und anstrengend, aber auch mit tollen Erlebnissen.

Tag 4

Heute stand nur noch der Abstieg zurück nach Morteratsch und die Heimreise auf dem Plan. Beim talwärts laufen hielten wir immer wieder inne, drehten uns um und blickten zurück auf die wunderschöne weiße Welt hinter uns. Übrigens war wieder strahlender Sonnenschein. Vom drohenden Gewitter des Vortages war nichts mehr zu sehen.

Nur 1 1/2 Stunden benötigten wir zurück zum Parkplatz. So blieb erst mal noch genügend Zeit um die verschwitzte Bekleidung zu trocknen bevor wir die Heimfahrt antraten.

Alle waren sich einig, eine super Tour. Anstrengend zwar, aber vor der tollen Kulisse und dem abwechslungsreichen Tourverlauf trat dies in den Hintergrund.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here